Region Mainfranken - Weinfranken - Regierungsbezirk Unterfranken
Frankens Winzer trotzen den Launen der Natur
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- Kategorie: Mainfranken - Weinfranken - Unterfranken
- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 26. Juli 2012 22:50
- Veröffentlicht am Donnerstag, 26. Juli 2012 22:38
- Geschrieben von Artur Schmitt
Regierung von Unterfranken zieht Zwischenbilanz für das 1. Halbjahr 2012 bei der Qualitätsweinprüfung
Würzburg – Nachdem sich die Vegetation im Jahr 2011 zunächst sehr vielversprechend und früh entwickeln konnte, folgte die in betroffenen Winzerkreisen sogenannte „Nacht des Grauens“ vom 03.05.2011 zum 04.05.2011 - ein Spätfrost, der trotz Klimawandels bislang nicht mehr für möglich gehalten wurde. In dieser Nacht kühlte es aufgrund eines Kaltluftkeils in manchen Gebieten Frankens bis auf minus 5 Grad ab. Dies hatte zur Folge, dass in einzelnen Lagen bis zu 100 % der Reben durch den Frost geschädigt, das heißt die Triebe mit Blättern und Blütenansätzen zerstört wurden.
Durch den Austrieb von sogenannten „Beiaugen“ (dies geschieht dann, wenn die Hauptaugen, z.B. wegen Schädigung durch Frost, absterben) und besondere Pflegemaßnahmen der Reben durch die Winzer gelang es, die Frostausfälle wenigsten zum Teil einzugrenzen. Nahezu ideale Bedingungen während der Reifezeit der Trauben führten schließlich im Ergebnis dazu, dass zumindest die Qualität der geernteten Trauben die Hoffnungen auf einen guten Jahrgang weitgehend erfüllte.
Die Ergebnisse der Qualitätsweinprüfungen in der Regierung von Unterfranken im Verlauf des 1. Halbjahres 2012 deuten jedenfalls darauf hin, dass die fränkischen Winzer auch aus den Trauben des 2011er Jahrgangs wieder sehr respektable Weine, darunter eine ganze Reihe absoluter Spitzenweine, erzeugen konnten.
Zum Stichtag 30.06.2012 wurden vom Jahrgang 2011 mit rund 20,5 Millionen Liter bereits ca. 64% der tatsächlichen Ernte von rund 37,3 Millionen Liter geprüft. Im Vorjahr waren es zum Vergleichsstichtag 30.06.2011 vom 2010er mit rund 20,8 Millionen Liter ungefähr 59% der damaligen Ernte von rund 35,4 Millionen Liter. Die zum 30.06.2012 überaus hohe Anstellungsquote des 2011er Jahrgangs muss wohl dahingehend gedeutet werden, dass in den Kellern der fränkischen Weinbaubetriebe keine allzu großen Mengen an Weinen der vorherigen Jahrgänge lagern.
Jedenfalls haben es Frankens Winzer auch im 1. Halbjahr 2012 wieder geschafft, eine sehr ansehnliche Erfolgsquote in der amtlichen Qualitätsweinprüfung zu erreichen. Nach über 94% erfolgreichen Anträgen im 1. Halbjahr 2011 erhielten heuer über 92% der angestellten Weine (bzw. mehr als 95% der angestellten Weinmenge) die begehrte Amtliche Prüfnummer (A.P.Nr.). Dieser Wert unterstreicht einmal mehr, dass die Qualität der zur Prüfung angestellten Weine in den vergangenen Jahren nicht unerheblich gestiegen ist. Denn in den Prüfjahren vor 2008 konnten teilweise lediglich ca. 85%, manchmal bis zu 90% der Weine erfolgreich zur Qualitätsprüfung angestellt werden. Damit wird auch in diesem Jahr das erfolgreiche Qualitätsstreben der heimischen Winzer durch die Ergebnisse der Qualitätsweinprüfung belegt.
Von den Anträgen auf Erteilung einer A.P.Nr. betrafen rund 30% (mit über 36% der angestellten Weinmenge) Abfüllungen im Bocksbeutel, für die bekanntlich eine höhere Bewertung in der Qualitätsweinprüfung erforderlich ist.
Auch im Jahr 2012 geht der Trend zum Silvaner unvermindert weiter. Zwar ist bei der bestockten Rebfläche der Müller-Thurgau trotz starker Flächenverluste laut Statistik nach wie vor führend, dennoch steht der Silvaner sowohl in Bezug auf die Antragszahlen (über 1.800 = rund 25,3%) als auch die Weinmenge (über 6,2 Millionen Liter = rund 32,3%) auf Platz 1 der geprüften Rebsortenweine. Für den Müller-Thurgau wurden knapp 1.500 Anträge (ca. 20 %) eingereicht mit einer Weinmenge von knapp 5,6 Millionen Liter (ca. 29%).
Hingegen ist das Aufkommen von Rotlingen, die aus dem Verschnitt von weißen und roten Trauben gewonnen werden und in der Regel fruchtig leichte Sommerweine ergeben, im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurück gegangen. Waren es im 1. Halbjahr 2011 noch gut 1,7 Millionen Liter bzw. gut 7,8%, die von dieser Weinart zur Prüfung angestellt wurden, belaufen sich die Zahlen für das 1. Halbjahr 2012 nur noch auf knapp 1,5 Millionen Liter (knapp 6,8% der geprüften Weinmenge).
Der Jahrgang 2011 war im Berichtszeitraum mit über 92,5% der angestellten Weinmenge vertreten, lediglich noch 4,5% der Menge entfielen auf 2010er Weine, der Rest auf ältere Jahrgänge. Als Prädikatsweine wurden heuer bislang rund 38% der geprüften Weinmenge zur Prüfung angestellt (rund 27% im Vergleichszeitraum 2011).
Die Herstellung von Sekten b.A. aus Franken steuert auf einen neuen Tiefstand zu. Lediglich 32 Anträge mit insgesamt rund 55.500 Liter (2011: 42 Anträge mit 75.000 Liter; 2010: 53 Anträge mit 95.000 Liter) gingen bei der Regierung von Unterfranken ein. Dies ist nicht zuletzt auf eine Änderung der EU-rechtlichen Vorschriften zurückzuführen, nach der Sekte b.A. aus Franken nicht mehr in Rheinland-Pfalz hergestellt werden dürfen. Dort wurde aber in der Vergangenheit eine erhebliche Zahl der Sekte b.A. aus fränkischen Grundweinen erzeugt. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass nicht nur in Franken, sondern in ganz Deutschland die meisten Sekte ohnehin traditionell ohne A.P.Nr. vermarktet werden, so dass sich aus diesem Rückgang keine Rückschlüsse auf das Verbraucherverhalten ziehen lassen.
Regierung von Unterfranken - PM vom 25.07.2012

















