Der Gehling-Clan

Ortschronik von Goßmannsdorf am Main

Details


Aus der Chronik von Erich Weiß - überarbeitete Internetversion von Artur Schmitt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Geschichte der Gemeinde Goßmannsdorf


Die Gründung Goßmannsdorfs liegt wie bei so vielen anderen Siedlungen im Dunkeln. Im Urbar des Klosters Kitzingen, das auf ältere Aufzeichnungen zurückgeht, wird Goßmannsdorf um 1060 erwähnt. Ein Fron- oder Maierhof zahlt Abgaben an das Kloster.

Bischof Hunbert (833 - 842) weiht in seiner Amtszeit in Kleinochsenfurt die Kirch eines Gozbald. Sein Nachfolger Gozbald, Bischof von Würzburg, der vorher Erzkaplan Ludwig des Deutschen und Abt von Niederalteich war, soll mit diesem Gozbald identisch sein. Auf ihn führt man die Gründung Goßmannsdorfs zurück. Die ältesten Schreibweisen lauten auch Gotzbaldesdorf, Gozboldesdorf oder ähnlich und sind Anlass zu dieser Vermutung. Eine sichere Quelle gibt es jedoch nicht. Über Jahrhunderte findet man nur spärliche Hinweise. Verschiedene adelige Familien hatten hier Besitz. 1154 tauschten die von Henneberg einen Teil ihres Zehnten. Die Gefälle eines Heinrich von Pappenheim werden 1279 erwähnt. Die Brüder von Hoheloch-Brunecke verkaufen 1318 Güter an ihre Schwester, und 1395 verkauft ein Hans von Gebsattel einen Weingarten.

Goßmannsdorf war früher ein Ganerbendorf, das heißt, der Ort gehörte drei Herrschaften gemeinschaftlich: Den adligen Familien von Zobel zu Giebelstadt und Messelhausen, dem Geyer von Giebelstadt und dem Hochstift zu Würzburg. Die Domherrn (Domkapitel) waren die Zehntherrn. 1705 verkauften die Geyer alle Rechte, Haus, Scheuer und Kalterhaus am Reußenberg (heute Zehnthofstraße 29 und 31) an "Ihre königliche Majestät in Preußen". Das Anwesen der Geyer, bzw. der Brandenburg-Ansbacher, stand gegenüber der Kreuzkapelle. Es trägt heute noch das Geyersche Wappen und die Jahreszahl 1588. Sein Zierfachwerkgiebel ist eines der schönsten im mainfränkischen Raum. 1758 kauften die Juden das Kalterhaus und bauten 1765 eine Synagoge.

Das Anwesen der Zobel stand am Bach (heute Linke Bachgasse 8,9 und 10) und wurde das "Freiherrlich Zobelsche Schlösslein" genannt. Es war ein Freihof und unterstand nicht dem Dorfrecht. Bewohnt wurde es von einem Verwalter und mehreren "Zobelschen Judenfamilien". Juden, die im Dorf wohnten, waren ganerbenschaftlich wie alle Bürger. Rechte einer einzelnen Herrschaft oder Leibeigenschaft gab es nicht.

Jährlich fanden drei bis vier Ganerbentage statt, bei denen die Herrschaften durch ihre Beamten, den hochfürstlichen Amtskeller von Heidingsfeld, den zobelschen Amtsvogt und den geyerschen und nach 1705 durch den Brandenburg-Ansbachischen Amtsvogt vertreten waren. Hier wurde Gericht gesprochen, einmal im Jahr die Dorfordnung vorgelesen und die Steuer- und Abgabenbücher geprüft.

Ebenso wurden der Bürgermeister gewählt und die verschiedenen Ämter, wie Viertelmeister, Steuersetzer, Gotteshauspfleger, neu besetzt. Sie unterstanden einem Schultheiß und waren für die Eintreibung von Steuern und Abgaben, und für den Unterhalt der gemeindlichen Einrichtungen, wie Türme und Tore, Brücken und Wege, und für die vier Brunnen zuständig.

Der von allen drei Herrschaften eingesetzte Schultheiß, der einem Dorfgericht mit neun Bürgern vorstand, hatte übers Jahr für Recht und Ordnung zu sorgen und die Interessen der Herrschaft wahrzunehmen. Er durfte keine Befehle ausführen, wenn sie nicht von allen drei Herrschaften oder mehrheitlich beschlossen wurden. Jede Herrschaft war darauf bedacht, dass dieses Ganerbenrecht nicht verletzt wurde. So hatte die preußische Herrschaft durch den Markgrafen von Ansbach 1786 zum Tod Friedrich des Großen vier Wochen Trauer angeordnet und alle Lustbarkeiten, Tanz mit Musikanten und Spielleuten verboten. Die anderen zwei Herrschaften ließen die Bürger wissen, dass dieses Dekret nicht gemeinschaftlich wäre und sie keine Strafe zu befürchten hätten. Eine getrennte Gerichtsbarkeit mit dem Bach als Grenze gab es nicht, wie irrtümlich angenommen.

Die Würzburger Herrschaft, die ja auch die Landesherren waren, hat immer wieder versucht, mehr Rechte nach Würzburg zu ziehen, und vor allen Dingen die schweren Gerichtsfälle dem Ochsenfurter Centgericht zu übergeben. Bereits 1714 wird der Anspruch des Hochstifts zurückgewiesen, die alten Wiederholungen wären längst mit dem Centartikel von 1458 wiederlegt.

Der Streit ging weiter und 1748 haben der Schultheiß des Hochstifts mit Centgraf und Centknechten den Ort nachts um drei Uhr überfallen, um einen Mordfall zu untersuchen. 1783 sind die Ochsenfurter am hellen Tag wegen eines Kindsmordes in den Flecken gekommen, wogegen der Schultheiß kräftig protestierte, wie er selbst schrieb.

Im Protokoll ist weiter vermerkt, dass die Bürger in Haufen zusammengelaufen sind, etwa 200 Menschen. Mit Gewehren, Flinten, Holzbeilen und Hauen habe man die Ochsenfurter zum Kreuztor wieder hinausgeführt, wo sie hereingekommen.

Würden Bürger mit einer Strafe belegt, kamen sie in den Turm nahe am Kreuztor. Aber auch öffentliche Stockschläge wurden verhängt. Frauen wurden mit dem Narrenhaus oder mit dem Geigentragen bestraft.

Über viele Jahre waren die Bürger mit dem Schultheiß und den herrschaftlichen Beamten unzufrieden. Man warf ihnen vor, dass sie sich bereichern und an den Ganerbentagen mehr Diäten machen, verzehren und verzechen das Geld in der Gemeindekasse. Der einfache Bürger habe kein Recht mehr, wäre verarmt und verschuldet und würde Haus und Weinberge verlieren. Einige Familien wandern nach Ungarn aus. Die Bürger und Gerichtsleute verweigern den Gehorsam und zahlen keine Abgaben trotz schärfsten Befehl und Androhung militärischer Exekution. Fastnacht 1755 kam es auf dem Rathaus zur offenen Rebellion. Der Gerichtsschreiber wurde geschlagen, dass der Tod zu befürchten war. Auch der Schultheiß musste um sein Leben bangen. Dieser Aufruhr führte dazu, dass eine neue Dorfordnung erlassen wurde mit den Unterschriften von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach und Johann Friedrich von Zobel zu Messelhausen. Eine Taxordnung und 70 Paragraphen enthält die neue Dorfordnung, um die seit langer Zeit zugetragenen Irrungen, Zerrüttungen und Uneinigkeiten zu beseitigen, wie es in der Einleitung zur Dorfordnung steht.

Erst als 1815 Goßmannsdorf zu Bayern kam, wurden die Dorfherrschaft und das Schultheißenamt aufgelöst. Die Bürger wählten einen Ortsvorstand oder Bürgermeister. Der wichtigste Bürgermeister des 19. Jahrhunderts war Johann Adam Breunig, von 1841 bis 1875. Seine Nachkommen tragen heute noch den Hausnamen "die Schulzen".

 

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Die Dorfbefestigung


Die Dorfbefestigung geht in ihren Anfängen vermutlich bis ins 14. Jahrhundert zurück. Der streitbare Bischof von Brunn hatte in seiner Auseinandersetzung mit dem Hochstift 1435 Goßmannsdorf zehn Tage ohne Erfolg belagert. Bis ins 19. Jahrhundert hatte der Ort eine geschlossene Dorfbefestigung. Eine Ringmauer mit drei Haupttürmen und sieben kleinen oder Halbrundtürmen gaben dem Dorf ein wehrhaftes Aussehen.

Drei Torhäuser sicherten die Eingänge; das Kreuztor, das untere oder Maintor, und das obere oder Mühltor. Die gesamte Ringmauer war mit einem Dorfgraben umgeben, der heute nur noch im Lehmgrubenweg sichtbar ist. Zwischen den Torhäusern hatte der Dorfgraben die Namen Rauchgraben (bergseitig), dann Stichelsgraben und Kreuzgraben. Der Schafsbach wurde beim Eintritt und beim Austritt mit Gattertoren verschlossen. Bei mehreren Unwettern hatte sich der Bach am oberen Gatter oder Schweinebogen angestaut, die Dorfmauer eingerissen und den Ort überflutet. 1668 hat man den Bacheintritt erweitert, die Dorfmauer mit einer wuchtigen Pfeileranlage versehen, das heutige Schwedentor.

Das baufällige Kreuztor wurde 1780 abgerissen und neu aufgebaut. Die Handwerksmeister bekamen den Auftrag, einen gut proportionierten Turm mit Türmlein und Kopf zu bauen, wie das Ochsenfurter Tor in Sommerhausen. Das Richtfest kostete für 19 Handwerker 2 Gulden, 24 Kreuzer (1 Gulden = 1,71 Mark, bzw. 0,87 € und 30 Kreuzer = 0,5 Gulden).

Mit ihrer Wehrhaftigkeit nahmen es die Goßmannsdorfer nicht allzu genau. Immer wieder kamen Beschwerden der Bürger, dass die Torschließer sehr liederlich wären, die Felddieberei überhand nehme, und jedes Diebesgesindel und Lumpenpack Tag und Nacht ins Dorf käme, und auch viel Sünde ins Dorf gebracht würde.

Der Nachtwächter, den man vor den Rat zitierte, weil er sein Horn sehr unterschiedlich oder gar nicht hören lasse, gab zur Antwort: "Ich richte mich nach der Kirchturmuhr und wenn die nicht richtig oder gar nicht geht, ist es nicht meine Schuld. Im übrigen ist meine Bezahlung noch unpünktlicher, als mein Hornblasen".

Um 1865 wurden alle drei Torhäuser abgerissen. Ringmauer und Türme sind heute nur noch zum Teil in ihrer alten Höhe erhalten.

 

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Die Kirchen


Die erste Kirche war eine Filialkirche des nahen Kleinochsenfurt. Erwähnt wird eine Kirche 1398. Anna von Weinsberg schirmt die Kirche gegen Virgil und Messe. Bei einem großen Gewitter ist im Jahre 1658 der Kirchturm durch Blitzschlag abgebrannt. Drei von vier Glocken, die schwerste mit 22 Zentner, sind herabgestürzt und zersprungen. Bereits 1662 hat man zwei Glocken in Würzburg geholt, vom Dorfschmied beschlagen und aufgehängt. Über Jahrzehnte hatte der Kirchturm nur ein einfaches Giebeldach und erst 1719 wurde er unter Schultheiß Johann Georg Weigand mit einer welschen Haube und Laterne versehen und wieder aufgebaut.

Im Jahre 1686 wurden von Weihbischof Weinberger zwei neue Seitenaltäre eingeweiht.

Ein Umbau der Kirche mit neuem Kirchenschiff wurde von 1797 bis 1799 vorgenommen. Bereits um 1750 wird die Kirche als zu klein und ruinös beschrieben, und ein Neubau gefordert. Der Gastwirt "Zum roten Ochsen" stiftete 1772 für den Kirchenbau 300 Gulden (1 Gulden = 1,71 Mark, bzw. 0,87 €), und bis 1789 war der Kirchenbaufond auf 1200 Gulden angewachsen. Mehrere Hochwasser, das letzte war 1795, setzten den Hochaltar unter Wasser, beschädigten die Messgewänder und machten einen Kirchenbau unumgänglich. Geplant und gebaut wurde die Kirche von einem Baumeister Kees aus Allersheim. Wegen dem immer wiederkehrenden Hochwasser des Baches hat man sie etwa 1,50 m höher gelegt. Bereits vor Baubeginn klagten die Goßmannsdorfer mit einem Advokaten gegen die Würzburger Geistlichkeit wegen der hohen Kostenbeteiligung der Gemeinde. Auch der Baumeister arbeitete nicht zu ihrer Zufriedenheit, und nach einem Streit mit dem Schultheiß wurde er einige Stunden eingetürmt. Der Hochaltar wurde 1799 von einem Würzburger Bildhauer gefertigt. die Seitenaltäre, schönste Rokokoarbeiten, wurden 1778 für das Kloster Tückelhausen gefertigt und kamen bei der Säkularisation hierher. Der Taufstein stammt aus der Alten Kirche und trägt die Jahreszahl 1589. Eine Gedenktafel (1551) mit Wappen erinnert an eine von Zobel, gefallen in der Schlacht bei Ravenna.

Der Friedhof um die Kirche wurde 1754 geschlossen und ein neuer Friedhof am Kreuztor angelegt. Der heutige Friedhof ist der dritte und wurde 1872 mit Leichenhalle gebaut.

Die spätgotische Kreuzkapelle entstand um 1500 und war im Besitz der zobelschen Familie. Im Jahre 1822 kam sie in Besitz der Gemeinde und wurde 1906 in eine Stiftung umgewandelt. 1788 wird berichtet, dass die Kapuziner von Ochsenfurt von März bis Allerheiligen in ihr die Frühmesse lasen, und durch die Stiftung eines Bürgers dies nun das ganze Jahr an Sonn- und Feiertagen möglich gewesen sei.

Die Kapelle enthält auch drei Grabplatten - die älteste von 1519. Eine trägt die Inschrift "Maria Magdalena von Aschhausen, geb. Zobel von Giebelstadt, gest. 1707". Besondere Aufmerksamkeit verdient der noch sehr gut erhaltene gotische Bildstock mit der Jahreszahl 1400. Von 1983 bis 1989 wurde die Kapelle unter Pfarrer Oswald Simon mit einem Kostenaufwand von 400.000,-- DM (ca. 204.517 €) innen und außen gründlich renoviert.

 

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Die Kriegsereignisse


Über die Jahrhunderte blieb das Dorf von Kriegen und seinen Folgen nicht verschont. Die Franzosen hatten 1673 auf dem Tückelhäuser Berg gelagert und das halbe Dorf abgebrannt, darunter auch das Pfarrhaus.

Durchziehende Preußische Truppen, etwa 10.000 Soldaten, hatten 1734 auf der Höhe ihr Lager aufgeschlagen. Das königlich-preußische Stabsquartier mit General, 150 Offizieren und Mannschaften, waren im Dorf einquartiert. Sie haben sich sehr übel verhalten. Allein der Flurschaden wurde auf 425 Gulden (1 Gulden = 1,71 Mark, bzw. 0,87 €) taxiert.

Vom siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) sind viele Soldatenquartiere vermerkt und im Rathaus wurde ein Lazarett eingerichtet. Die Tore wurden gut bewacht und kein Fremder durfte ohne Genehmigung des Schultheißen übernachten. Es war schon zuviel liederliches, nichtsnutziges Gesindel im Dorf geblieben, das nur Schaden und Verdruss bereitete.

In den napoleonischen Kriegen wurde das Dorf oft von durchziehendem Militär heimgesucht. Viele Bauern hatten mit Vorspann Pferd und Wagen eingebüßt. Die laufenden Quartierkosten und die Sachlieferungen an die Militärmagazine verursachten große Lasten. Der Schultheiß, der die Lieferungen nicht schnell genug besorgte, wurde so schwer geschlagen, dass ein Chirurg gebraucht wurde und er zeitlebens krank war.

Im bayrisch-preußischen Krieg (1866) hatte das 53. westfälische Regiment das Dorf besetzt. Bei ihrem übereilten Abzug hatten sie zwei Pferde und zwei Rüstwagen zurückgelassen. Die öffentliche Versteigerung der Kriegsbeute brachte 90 Gulden (1 Gulden = 1,71 Mark, bzw. 0,87 €) und 30 Kreuzer (30 Kreuzer = 0,5 Gulden) zum Besten der Einquartierungskasse.

Eine Gedenktafel an der Kirche zur Erinnerung an den "ruhmreichen Feldzug" 1870 / 1871 führt 28 Teilnehmer des Feldzuges auf. Einer erlitt den Heldentod.

Im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) hatte die Gemeinde 24 Gefallene zu beklagen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges blieb unser Dorf bei der Einnahme durch amerikanische Truppen von Kampfhandlungen und Schaden verschont, im Gegensatz zu vielen anderen Orten im Umkreis. Durch Flüchtlinge, Vertriebene und Evakuierte war der Ort auf etwa 1700 Einwohner angewachsen. Viel Zerstörung, Not und Elend waren das Ergebnis dieses schrecklichen Krieges. Es dauerte viele Jahre bis man die Auswirkungen davon überwunden hatte. 59 Goßmannsdorfer mussten im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen.

 

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Die Wirtschaft


Goßmannsdorf ist von seiner baulichen Anlage her ein typisches Bachzeilendorf. Um den Schafbach, der das Dorf breiträumig durchfließt, gruppieren sich malerisch die Häuserzeilen.

Bis weit ins 19. Jahrhundert war der Weinbau vorherrschend. In den Wirtschaften und bei den Heckenwirten wurde kräftig gezecht. Zum Schutze des eigenen Weines durfte ungenehmigt kein fremder Wein eingeführt werden. Auch der Bierverkauf war zeitweilig verboten. Es war ein echtes fränkisches Häckerdorf. Die Berghänge waren weitgehend mit Weinstöcken bepflanzt. 22 Lagen waren in sieben Qualitäts- und Steuerklassen eingeteilt. Die minderen Lagen waren Windberg, Urles und Buch. Erste Klasse waren Alter Berg, Hohlöcher, Bachleite und Eichenleite.

In den letzten zwei Lagen wird heute noch auf alten, historisch gewachsenen Weinbergslagen von "Feierabend-Winzern" Weinbau betrieben. Hier wächst ein Wein, nicht so bekannt wie manche EG-bereinigte Großlage, dafür aber typisch fränkisch. Diese alten Weinbergsanlagen zu erhalten, wäre eine dankenswerte Aufgabe.

Auch der Getreidehandel war früher nicht unbedeutend. Die Bauern aus dem Gau um Giebelstadt brachten ihr Getreide zur "Einladung" an den Main, wo man es auf Schiffe verlud und bis nach Würzburg und Frankfurt in den Handel brachte. Zwei Mühlen wurden ebenfalls betrieben. Die bereits 1575 erwähnte Dorfmühle, die noch bis 1947 gemahlen hat, und die 1920 abgebrannte Blunzenmühle im Darstadter Grund. Eine Ziegelhütte außerhalb des Ortes am oberen Tor wird 1592 erwähnt. Sie war bis zu Jahrhundertwende in Betrieb.

Der Holz- und Sandhandel und die zwei Mal wöchentliche Marktschifffahrt nach Würzburg waren Rechte der Gemeinde und wurden auf drei bis fünf Jahre an den meistbietenden verstrichen.

Die Gemeinde bekam 1767 das Recht, zwei Jahrmärkte mit angehängtem Viehmarkt abzuhalten und wurde künftig Marktflecken genannt. Marktstände wurden angeschafft, ebenso eine Marktfahne in den Farben rot, blau und weiß.

Ein Marktmeister war für die Abwicklung des Marktes und für die Erhebung der Standgebühren zuständig.

Mit dem Bau der Eisenbahn und der Einführung der Dampfschifffahrt auf dem Main in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, kam auch eine wirtschaftliche Veränderung ins Dorf. Die Steinindustrie war viele Jahre ein guter Erwerbszweig für die Goßmannsdorfer Bürger. Um die Jahrhundertwende waren sechs bis acht verschieden große Steinbrüche auf den Höhen in Betrieb. Mit der Mainkorrektur wegen der Kettenschiffe (Meekuh) hatte man 1898 einen großen Ländeplatz gebaut, um den gesteigerten Umschlag von Steinen, Holz und Baumaterial zu bewältigen. Erst mit dem Bau der Staustufe 1950 wurde die "Einladung", wie sie von den Bürgern genannt wurde, beseitigt. Auch mit der Eisenbahndirektion wurden 1908 über mehrere Jahre hinweg Verhandlungen geführt, zur Schaffung einer Güterstation und eines Industriegleises.

In den Jahren von 1960 bis 1970 wurden in der Gemeinde beträchtlich Investitionen getätigt. Eine Schule wurde mit Kosten von 850.000 DM ( ca. 434.598 € ) gebaut. Die Ansiedlung der Firma Gervais hatte weitere Investitionen zur Folge. Der Grunderwerb, die Erneuerung der Wasserversorgung und eine neue Ortskanalisation mit Kläranlage mussten durchgeführt werden. Die Verschuldung war dadurch auf etwa zwei Millionen DM ( ca. 1.022.584 € ) gestiegen, wovon fast 3/4 rentierlich waren. Durch diese Investitionen besitzt unser Ortsteil heute eine Grundschule und den Industriebetrieb Danone mit ungefähr 300 Arbeitsplätzen.

Bei der 1972 anstehenden Gebietsreform hatten sich die Goßmannsdorfer bei einer Bürgerbefragung für einen Zusammenschluss mit Ochsenfurt entschieden. Der Eingemeindungsbeschluss wurde im Februar 1972 vom Gemeinderat mit 10 : 0 Stimmen gefasst. Eine jahrhundertlange Selbständigkeit ging damit zu Ende. Mit etwa 1.000 Einwohnern sind wir heute der größte von acht Stadtteilen.

 

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Die örtlichen Vereine


Die gesellschaftspolitische Aufgabe von Vereinen ist unbestritten, ob sie sich dem Sport widmen oder Kulturgut pflegen. In der Vielfalt von Vereinen spiegelt sich das Wesen eines Volkes wieder. Über Jahrzehnte haben sie auch das Leben in unserem Dorf geprägt.

Als ältesten Verein kennen wir den Krieger- und Kampfgenossenverein, der 1871 gegründet wurde. eine versuchte Wiedergründung um 1950 verlief jedoch im Sande.

Eine freiwillige Feuerwehr wird 1873 erwähnt.

1894 ist das Gründungsjahr des Gesangvereins Liedertafel Goßmannsdorf. Mit der Pflege deutschen Liedgutes über 100 Jahre kulturell der aktivste Verein.

Den Nachlass der Babett Trient erbte die Gemeinde mit der Verpflichtung, eine Kinderbewahranstalt zu gründen. Heute betreibt der Elisabethen-Verein den 1988 von der Stadt Ochsenfurt gebauten Kindergarten.

Der Obst- und Gartenbauverein wurde 1913 gegründet. Er ist heute noch aktiv und bemüht sich um den Blumenschmuck und für ein schöneres Dorf.

Einen Schützenverein gab es um 1930. Das Schützenhaus war in der Zielsgasse. Mit Kriegsbeginn 1939 hat der Verein sich aufgelöst.

Die Blasmusik hat in Goßmannsdorf Tradition. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg und auch während des Zweiten Weltkriegs bestand eine Musikkapelle, die sich bei der Gestaltung der örtlichen kirchlichen und weltlichen Fest- und Feiertage um einen würdigen Rahmen bemühte. Im April 1975 trafen sich 15 Burschen und ein weiblicher Musikus am 65. Geburtstag von Pfarrer Adolf Maß zu ihrer ersten Musikprobe. Die Initiative zur Gründung dieser Musikjugendgruppe war vom Pfarrgemeinderat angeregt worden. Am 20. Januar 1979 wurde im TSV-Sportheim vom Gründungsausschuss der MVG-Musikverein Goßmannsdorf e.V. aus der Taufe gehoben. Am 24. April 2004 fand im TSV-Sportheim ein Kommersabend statt, aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des MVG.

Ein junger Verein sind auch die Krackenblitze. Er hat sich der Erhaltung der Fasnachtsbräuche und der Narretei verschrieben. Gegründet wurde er im Jahr 1985.

Seit 1990 besteht eine fränkische Volksmusik- und Tanzgruppe. Sie pflegt das fränkische Brauchtum.

Die Anfänge des Turnens gehen in Deutschland bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Friedrich Ludwig Jahn (Turnvater Jahn) legte bereits 1811 in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz an. Die Gründung vieler Turnvereine um die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte den ersten Aufschwung und führte 1860 zum Zusammenschluss in der Deutschen Turnerschaft. Mit der Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 wurde das Turnen zur Erweckung vaterländischer Gesinnung auch vom Staat gefördert. Ein Schreiben des königlichen Bezirksamtes zur Förderung des Turnunterrichts in der Schule von 1873 wurde vom Bürgermeister wie folgt protokolliert:

"In Anbetracht, daß die Jugend im hiesigen Orte durch anstrengende landwirtschaftliche Arbeiten Gelegenheit in Fülle hat, um ihre Körperkräfte nach allen Richtungen hin ausbilden zu können, wird beschlossen, vorerst von der Einführung des Turnunterrichtes Umgang zu nehmen."

Es dauerte dann noch über 20 Jahre, bis sich in Goßmannsdorf turnbegeisterte junge Burschen zusammenfanden und es zur Gründung eines Turnvereins kam. Von der Gründungsversammlung am 1. Februar 1896 gibt es kein Protokoll. Stattgefunden hat sie nach mündlicher Überlieferung im Gasthaus Anker. Mit dem Protokoll vom Mai 1898 könnte dies bestätigt werden:

"Die Mitgliederversammlung beschließt in geheimer Abstimmung mit großer Majorität, das Vereinslokal vom Anker ins Weiße Roß der Brauerei Weihnacht zu verlegen."

Der Zusammenschluss des Turnvereins und des Fußballclubs fand am 24. Januar 1934 statt. In einer gemeinsamen Versammlung stimmten die Mitglieder getrennt über die Verschmelzung ab. Der Verein führte fortan den Namen Turn- und Sportverein 1896 e.V. Goßmannsdorf am Main.

Allen Vereinen wünschen wir viele aktive Mitglieder, um das gesellschaftliche Leben und den Gemeinschaftssinn zu fördern.

   

   
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